Wiesenkräuter


Diese Woche waren wir beim „Wildkräuter sammeln und Wildkräuterpesto zubereiten“ in einem Gartencenter. Das war super interessant, vor allem weil wir dabei wieder einmal gelernt haben, dass man so vieles von unserer Wiese essen und verwerten kann. Die meisten Pflanzen, die als lästiges Unkraut bekannt sind, liefern nämlich wertvolle Inhaltsstoffe und können bei der Linderung diverser Beschwerden helfen.
Anschließend habe ich gleich unseren Garten und die angrenzende Blumenwiese unter die Lupe genommen - und siehe da: ich habe tatsächlich sehr viele verschiedene Wildkräuter entdeckt. Die Natur stellt unzählige Energiespender vor unserer Haustüre bereit, wir müssen sie nur richtig nutzen.

Kriechender Günsel (lat. Ajuga reptans)
wird auch Gartengünsel genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (lat. Lamiaceae) und gilt bei uns in Europa als lästiges Unkraut, weil er sich im Rasen schnell durch Ausläufer ausbreitet. Er ist leicht mit Gundermann zu verwechseln, allerdings ist sein Blütenstand größer und dichter als beim Gundermann, er wirkt pelziger und auch die Blätter schauen bei näherer Betrachtung anders aus. Er fühlt sich an sonnigen bis halbschattigen Standorten wohl und ist ein Frische- und Nährstoffanzeiger für Böden, weil er sich gerne auf humus- und nährstoffreichen Böden ausbreitet.
  
Zu den Inhaltsstoffen zählen unter anderem Gerbstoffe, Glykosid, Saponine und Tannine. Günsel hat eine beruhigende Wirkung, hilft bei Sodbrennen, Schlaflosigkeit sowie äußerlich bei Ekzemen, Narben und Geschwüren. Verwendet werden Blätter, Blüten und Stängel. Man kann ihn z.B. in Salaten, Wildkräuterpestos, Tee oder als Tinktur verarbeiten.

Günsel ist ca. 10-30 cm groß und besitzt vierkantige Stängel, die oben flaumig behaart sind. Die Blätter stehen in Rosetten und gegenständig am Stängel verteilt. In der Blütezeit von April bis Juni zeigen sich blau-violette Blüten.

Gundermann (lat. Glechoma hederacea)
wird auch Gundelrebe, Erdefeu, Waldpetersilie oder Donnerrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (lat. Lamiaceae) und gilt in Europa ebenfalls als lästiges Unkraut, das sich nicht nur in Wiesen, Kies, Böschungen und lichten Wäldern, sondern auch im Garten schnell ausbreitet. Das Kraut bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte mit humus- und nährstoffreichen Böden. Wie bereits oben erwähnt, besteht eine Verwechslungsgefahr mit Günsel und auch mit anderen Pflanzen, die aber alle nicht giftig sind.




Zu den Inhaltsstoffen zählen u.a. Vitamine, Mineralstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe und ätherisches Öl. Gundermann hat eine entzündungshemmende, schleimlösende, stoffwechselanregende, wundheildende, gift- und eiterausleitende Wirkung, hilft bei Problemen im Rachenbereich, bei Schnupfen, Blasen- und Nierenproblemen sowie äußerlich bei Entzündungen und Abszessen. Verwendet werden Blätter, Blüten und Triebe. Man kann ihn z.B. in Salaten, Suppen, Eintöpfen, Pestos, Kräuterbutter, Tee (hilft Atemorganen, bei Erkältung, Verschleimung der Lunge und Bronchialasthma, regt Stoffwechsel an, stärkt Nerven, Darm, Leber), Salben, Kompressen oder als Tinktur verarbeiten. In der Küche wird er gleich wie Petersilie verwendet, aufgrund des intensiven Aromas sind jedoch kleine Mengen ausreichend. Ein leckeres Rezept sind Gundermannblätter in dunkler Schokolade. Dafür werden Gundermannblätter einzeln von beiden Seiten mit flüssiger dunkler Schokolade flächig bestrichen und getrocknet.

Gundermann ist ca. 10-30 cm groß und kriecht die Erde entlang. Er besitzt vierkantige Stängel (sieht man erst, wenn sie etwas fester werden) und rundliche, gewellte, ca. 0,5-3 cm große Blätter. In der Blütezeit von März bis Juli (das ist gleichzeitig die beste Erntezeit, wobei eine Ernte grundsätzlich ganzjährig möglich ist) zeigen sich violette, sehr kleine, lippenförmige Blüten, die direkt am Stängel bei den Blättern wachsen.

Vogelmiere (lat. Stellaria media)
wird auch Sternenkraut oder Hühnerdarm genannt, zählt zur Familie der Nelkengewächse (lat. Caryophyllaceae), ist eine Zeigerpflanze für stickstoffreiche Böden und breitet sich in kurzer Zeit wie ein Teppich aus. Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem schwach giftigen Ackergauchheil (orange oder blaue Blüten). Ein recht sicheres Kennzeichen der Vogelmiere ist die einseitige Behaarung des Stängels, die man besonders gut im Gegenlicht erkennt.
Zu den Inhaltstoffen zählen u.a. Vitamine, Mineralstoffe, Schleimstoffe, Saponine, Flavonoide und ätherische Öle. Das Kraut hat eine stoffwechselanregende, entzündungshemmende, krampflösende, schleimlösende Wirkung, hilft bei Husten, Lungenleiden, Verdauung sowie äußerlich bei starkem Juckreiz und Hautproblemen. Verwendet wird das gesamte Kraut mit Blättern und Blüten, z.B. in Salat, Suppen, Kräuterquark, Brotteig, Omelette, Tee, Salben und als Spinat. Zur Herstellung eines Heilöls bei Hautreizungen gibt man Vogelmiere in ein Schraubglas, füllt es mit Olivenöl auf und lässt es verschlossen für eine Woche bei Zimmertemperatur ziehen. Gelegentlich schütteln, abseihen und an einem dunklen, eher kühlen Ort aufbewahren.

Die Stängel der Vogelmiere werden bis zu 40 cm lang und liegen weitgehend am Boden. Sie sind dünn, weich und über die sogenannte Haarlinie kann die Pflanze zusätzlich Wasser aufnehmen. Die Blätter sind oval, spitz und bis zu 3 cm groß. In der Blütezeit von März bis Oktober zeigen sich weiße, weniger Millimeter große Blüten, die wie winzige Sterne aussehen. Die Ernte ist ganzjährig möglich, das Kraut keimt und treibt sogar unter Schnee.
Spitzwegerich (lat. Plantago lanceolata)
wird auch Spießkraut, Lungenblattl oder Schlangenzunge genannt, zählt zur Familie der Wegerichgewächse (lat. Plantaginaceae) und wächst vor allem auf Wiesen, Schotter und an Wegrändern.

Zu den Inhaltsstoffen zählen u.a. Schleimstoffe, Saponine, Gerbstoffe und ätherisches Öl. Spitzwegerich hat eine antibakterielle, blutreinigende, entzündungshemmende Wirkung, hilft bei Husten (auch für Kinder gut geeignet) und der Wundheilung. Das Kraut gilt als das Wiesenpflaster überhaupt. Es ist die beste Medizin für unterwegs, z.B. wenn man sich beim Wandern verletzt hat. Dann verreibt man ein Blatt zwischen den Fingern oder zerkaut es, legt es auf die Wunde und fixiert es mit einem zweiten Spitzwegerichblatt. Das lindert auch Insektenstiche und Brennnesselquaddeln. Verwendet wird das gesamte Kraut, d.h. Blätter, Blüten, Knospen, Samen und Wurzeln. Man kann es z.B. in Salat (Blütenstände schmecken leicht pilzig), als Spinat, Tee, Hustensirup oder Ölauszug verarbeiten.
Spitzwegerich wird bis zu 50 cm hoch. Die Blätter wachsen in einer Rosette am Boden, sind schmal und bis zu 20 cm lang, haben einen glatten Rand, sich leicht behaart und haben 5-7 Rippen an der Blattunterseite. Der ca. 1-4 cm lange Blütenstand sitzt oben auf einem langen, blattlosen und kantigen Stängel. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis August, die Blüten sind weiß-braun und unscheinbar.

Kletten-Labkraut (lat. Galium aparine)
zählt zur Familie der Rötegewächse (lat. Rubiaceae), bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Böden und wächst in Europa an Wegrändern, Wiesen und Ufern. Der Name kommt daher, dass sich die kleinen Kletten beim Spazierengehen an den Hosen festkletten.


Zu den Inhaltsstoffen zählen u.a. Saponine, Gerbstoffe, Kieselsäure und Flavonoide. Kletten-Labkraut hat eine entzündungshemmende, blutreinigende, schleimlösende Wirkung, hilft bei Hautproblemen, Magenentzündungen, Darmentzündungen sowie Blasen- und Nierenproblemen. Verwendet werden Triebe, Blätter, Blüten und Samen. Man kann das Kraut z.B. in Salaten, als Gemüse, Tee oder Tinktur verarbeiten.

Kletten-Labkraut wird bis zu 2 m hoch. Der Stängel ist kantig und fest. Die Blätter sind nadelförmig, 1-2 cm lang und rund um den Stängel angeordnet. In der Blütezeit von Juni bis Oktober stehen die weniger Millimeter großen Blüten in rispigen Blütenständen. Die Erntezeit ist ganzjährig (auch im Winter).


Sauerampfer (lat. Rumex acetosa)
wird auch Sauergras oder Sauerknöterich genannt, zählt zur Familie der Knöterichgewächse (lat. Polygonaceae), ist eine Zeigerpflanze für saure, nährstoffreiche Böden und wächst auf Wiesen, feuchten Waldrändern, Gärten und Ufern.
Zu den Inhaltsstoffen zählen u.a. Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Flavonoide und Oxalsäure (aus diesem Grund sollte das Kraut nicht täglich verwendet werden, weil größere Mengen von Oxalsäure zu Vergiftungserscheinungen führen können). Sauerampfer hat eine antibakterielle, entzündungshemmende, harntreibende Wirkung, hilft bei Erkältung, Frühjahrsmüdigkeit und Kreislaufschwäche. Verwendet werden Stängel, Blätter und Knospen. Man kann das Kraut z.B. in Salaten, Suppen, Kräuterbutter/-quark, Tee oder als Tinktur verarbeiten. Es ist nicht zum Trocknen geeignet, dafür aber zum Einfrieren.


Sauerampfer wird bis zu 1 m hoch. Der Stängel ist kantig, teilweise rot überlaufen und von einzelnen Blättern bewachsen. Die Blätter sind glatt, pfeilförmig, vorn rund und dunkelgrün bis rotgrün. Wenn die Blätter rotgrün sind, sollte das Kraut nicht mehr gegessen werden (weist auf einen hohen Gehalt von Oxalsäure hin). Die Blüten sind unscheinbar, rotbraun und wachsen an einer Rispe.



Ferkelkraut (lat. Hypochaeris radicata)
zählt zur Familie der Korbblütler (lat. Asteraceae) und sieht dem Löwenzahn sehr ähnlich. Bei genauerer Betrachtung erkennt man, dass die Blätter dicker, behaart und an den Boden gedrückt sind. Zu den Inhaltsstoffen zählen Bitterstoffe, ätherische Öle und Alkaloide. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli.

Weitere Wildkräuter, die fast überall wachsen und sehr bekannt sind, sind Brennnesseln, Löwenzahn und Gänseblümchen.


Liebe Grüße,











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